Lille für Anfänger und für Fortgeschrittene
Der Freundeskreis Köln-Lille organisiert regelmäßig sogenannte „Bürgerreisen“ in die Partnerstadt. Daran nehmen meist Personen teil, die die Stadt noch nicht kennen, also „Anfänger“. Man reist mit einem großen Bus an und wohnt im Hotel. Das Programm bietet eine Einführung in die Stadt Lille und ihre besonderen Highlights. Zu diesem eher touristischen Programm kommen Kontakte zu unserem Partnerverein (ACLE). Die Mitglieder führen uns in kleinen Gruppen durch die Stadt, und mindestens an einem Abend treffen sich die Franzosen und die Deutschen zu einem gemeinsamen Dîner mit mehreren Gängen – typisch französisch und gerne mit regionalen Spezialitäten.
Lille für „Fortgeschrittene“ ist den Mitgliedern des FKL vorbehalten. Der Kontakt zu den Liller Freunden wird intensiver, denn die Kölner wohnen in der Regel bei Gastfamilien. Das Programm beschränkt sich nicht auf die üblichen Sehenswürdigkeiten, sondern vertieft weitere Aspekte.
Dorit Hahne hat im März 2024 als Lille-Anfängerin die Bürgerreise mitgemacht und ist im November 2025 als FKL-Mitglied erneut in die Partnerstadt gereist. Sie hat uns einen Bericht über die beiden Reisen geschrieben. Voilà:

Unsere Fahrten nach Lille im März 2024 und November 2025
Im März 2024 starteten meine Freundin Petra und ich von Köln aus zu unserer ersten Reise mit dem FKL, natürlich nach Lille. Die Busreise wurde allgemein angeboten, um Kölner Bürger auch außerhalb der Gruppe für Lille, den Austausch mit Franzosen und den Freundeskreis zu gewinnen.
Unsere Liebe zu Frankreich war die Grundlage und nun waren wir gespannt auf die Begegnungen, die uns erwarteten. Das kleine charmante Hotel Brueghel im Kern der Innenstadt war eine gute Voraussetzung für die Erkundung der Umgebung.

Der erste Stadtrundgang mit Stadtführerin am Samstag war sehr informativ, da zusätzlich rechts und links uns Neuen von erfahrenen Lille Besuchern auch über Spezialitäten und Kurioses berichtet wurde: z.B., dass das neu gebaute Opernhaus 1915 von den deutschen Besatzern eröffnet wurde. Nach der Befreiung gab es 1923 eine 2. französische Eröffnung.
Süße Waffeln „l‘originale gaufre de Méert s“ für De Gaulle wurden sie jeden Tag von seinem Fahrer frisch aus Lille nach Paris gebracht.Die Suppenküche „Le petit Bouillon Alcide“ bietet täglich eine Suppe zum kleinen Preis.
Die Kathedrale Notre Dame bekam ihre durchscheinende Marmor Westfassade erst 1999 viele Jahre nach der Zerstörung im Krieg und einem Jahrzehnte langen Provisorium.

Am Nachmittag fuhren wir nach Roubais, um an einem außergewöhnlichen Ort vielfältige Kunst zu betrachten. Ein ehemaliges Jugendstil Schwimmbad wurde hier zum Museum. Kunst gab es am Beckenrand und auf den Balkonen der Umkleidekabinen, das war erstaunlich. Einige herrliche Werke überraschten mich. Zum Beispiel gibt es nur noch wenige Werke der Bildhauerin Camille Claudel, Freundin von Rodin. Hier entdeckte ich die sehr schöne Büste eines jungen Mädchens.

Am Abend vermischten sich die Gäste aus Köln mit den ACLE Mitgliedern aus Lille und während eines guten französischen Abendessens im „La Terrasse du Heron“ wurde über das Erlebte und über aktuelle Politik in beiden Ländern und der Welt gesprochen, aber auch private Themen tauschten wir aus.

Den Sonntagmorgen verbrachten hauptsächlich die neuen Kölner Mitglieder im Palais des Beaux Arts in Lille, andere nutzten diese Zeit auf dem Markt, denn natürlich ist auch das Kulinarische französisches Kulturgut. Beim letzten Stopp vor unserer Heimreise staunten wir über die 1924 von einem Industriellen gebaute Villa Cavrois in Croix. Es ist eine klar strukturierte Villa, dem Bauhaus ähnlich und in der Ausführung sehr großzügig. Unsere Einführung war umfangreich und durch den Kontakt mit dem Freundeskreis aus Lille sehr persönlich.
Inzwischen sind Petra, mein Mann und ich Mitglieder des FKL und als solche nahmen wir gerne die Einladung an, in kleiner Gruppe des FKL erneut Lille zu besuchen. Wir reisten mit den privaten PKW nach Lille und konnten überwiegend in den privaten Haushalten der Mitglieder des ACLE wohnen. Dadurch waren die Tage zusätzlich zu dem offiziellen Programm gefüllt mit intensiveren deutsch-französischen Gesprächen. Wir wohnten bei zwei jungen Gastgeberinnen, die wir auch gerne zu uns nach Köln eingeladen haben.
Für meinen Mann war das die erste Reise nach Lille. Petra und ich boten ihm eine Stadtführung, beim Anblick der Oper, der Handelskammer, dem gekacheltem Fischgeschäft, heute Hermès, kamen unsere Erinnerungen wieder zum Vorschein.In der Kathedrale bat uns eine deutsche Schülergruppe um Hilfe bei der Lösung ihres Stadtquiz. Lustig war, dass wir feststellten, die Schüler kamen aus dem Otto Hahn Gymnasium in Bensberg und waren Freunde unserer Enkelkinder.
Am Abend trafen sich alle Kölner und die Gastgeberinnen aus Lille zum Essen und regen Gesprächen.
Fußläufig vom alten Stadtkern entfernt ist in Lille ein sehr ansprechendes modernes Viertel überwiegend mit Arbeitsplätzen entstanden. Während einer Führung am Samstagmorgen beschäftigten wir uns besonders mit dem neuen Europabahnhof und dem ein paar hundert Meter entfernten alten Bahnhof Lilles, in dem heute die regionalen Züge verkehren.
Mit Abstand Highlight der Reise war das Konzert « Quand les lumières s’éteignent » sogenannte entartetet Musik im III. Reich. Zweisprachig und kabarettistisch wurde ein vielfältiges Programm geboten.
In kleiner Runde klang der Abend sehr fröhlich in einem urigen Vorort Restaurant mit unseren Gastgeberinnen und weiteren Teilnehmerinnen aus.
Tournai, bereits in Belgien gelegen, war unsere letzte Station am folgenden Tag. Hier besichtigen wir die gotisch romantische Kathedrale Notre Dame, sie wurde im Jahr 2000 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Zum Abschluss versammelten sich alle noch einmal zu einem gemeinsamen Essen, bevor die Kölner sich auf ihren Heimweg begaben.
Die Freude wird groß sein, wenn wir am 5.12.25 unsere Gäste aus Lille in Köln begrüßen können.
